Die Einheit ist gelungen

Der Kreisvorsitzende hat das Wort

Es war vor 25 Jahren, als sich viele DDR-Bürger aufmachten, um über Ungarn, die CSSR, Polen oder die Balkanländer den Weg in den Westen zu suchen. Dramatische Zustände in den Botschaften der Bundesrepublik Deutschland in Prag und Budapest. Der Tag von Sopron brachte die erste Lücke im „Eisernen Vorhang“ an der Grenze von Ungarn nach Österreich. Hunderte DDR-Bürger ließen ihre Autos stehen und rannten mit den Kindern auf dem Arm einfach in die Freiheit. In den Botschaften wurde es immer enger. Junge Familienväter bugsierten ihre Kinder über die Botschaftszäune. Das war der endgültige Abgesang einer jungen Generation an das sozialistische Vaterland DDR.

Der Machtapparat aus Politbüro, Zentralkomitee und den bewaffneten Organen war gelähmt. Keiner wollte so recht glauben, dass der Sozialismus am Ende war. Nicht nur in der DDR. Von Magdeburg bis Wladiwostok und von Rostock bis Sofia ist das Kartenhaus des sozialistischen Lagers zusammengebrochen. Am 4. November 1989 habe ich auf der Demo am Alex gespürt, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Dass dann schon 5 Tage später die Mauer von den Berlinern einfach überrannt wurde, gehört zu den schönsten Erlebnissen meines Lebens.
Danach ging alles sehr schnell. Helmut Kohls 10 Punkteprogramm von Ende November, aber vor allen Dingen seine Rede vor den Trümmern der Frauenkirche am 19. Dezember 1989 in Dresden haben eine große Dynamik ausgelöst. Die Volkskammerwahlen am 18. März 1990 mit einem Traumergebnis für die CDU und die Allianz für Deutschland - ein Glücksfall. Am 3. Oktober - Einheit und wir standen bei der Feier vor dem Reichstag am Fahnenmast.
Komplizierte Jahre folgten, nachdem die erste große Freude verklungen war. Der fast völlige Zusammenbruch der DDR-Industriebetriebe ließ die Arbeitslosenzahlen über 20 % ansteigen. Alles musste sich neu orientieren. Es gab kein Rezept wie man von der Sozialistischen Planwirtschaft zur Sozialen Marktwirtschaft einfach umsteigen kann. Aber es gab jede Menge mutiger Menschen im Osten, die plötzlich zu Unternehmern wurden. Viele haben es geschafft und sind heute noch am Markt. Aber etliche sind aus den unterschiedlichsten Gründen auch gescheitert. Aber alle waren Helden eines gewaltigen Transformationsprozesses, den die Welt so noch nicht erlebt hatte.
Welch ein Glück wir alle miteinander hatten, wird einem erst jetzt angesichts der Probleme in der Ukraine so richtig bewusst. Man stelle sich vor, dass die Sowjetarmee 1994 Deutschland nicht verlassen hätte. Außer Russland sind die ehemaligen RGW-Staaten alle Mitglieder der Europäischen Union und der Nato, sogar die ehemaligen Sowjetrepubliken Litauen, Lettland, Estland. Da sollten wir nicht so kleinlich sein, wenn es um die Unterstützung dieser Länder auf ihrem Weg in die Soziale Marktwirtschaft geht. Es hätte für uns auch alles ganz anders kommen können.
Am 26. August stand auf Seite 5 der Morgenpost ein Artikel „Die Armut wohnt in der Großstadt“. Der Artikel beginnt mit der Feststellung „Das Armutsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland ist deutlich geringer als zwischen städtischen und ländlichen Regionen“. Weiter unten folgt: „Denn mit Thüringen erreicht nun ein Ostland mit 13,8 % die drittniedrigste Quote an Einkommensarmen nach Bayern und Baden-Württemberg. Auch Sachsen und Brandenburg schieben sich deutlich nach vorne und liegen nun sogar vor Nordrhein-Westfahlen.“
Sicher gibt es nicht so viele Millionäre und Milliardäre im Osten. Aber das ist auch kein Maßstab. Wichtig ist, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht und die soziale Lage weiter stabil bleibt.
Nun kann man auch hinkommen wo man will, überall hat sich das Bild der Dörfer und Städte ganz entscheidend verbessert. In der Infrastruktur sind wir im Osten dem Westen teilweise voraus.
Bleibt abschließend festzustellen, dass wir auch mit der großen Koalition auf Bundesebene auf dem richtigen Weg sind. Nun drücken wir die Daumen, dass nach dem angekündigten Rücktritt von Klaus Wowereit die Große Koalition im Land Berlin wieder Tritt fasst und Berlin gut regiert wird.
Ich wünsche Ihnen einen schönen September mit konstantem Wetter.

Fritz Niedergesäß, Kreisvorsitzender

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