25 Jahre Stadtentwicklung

Der Kreisvorsitzende hat das Wort

Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem Fall der Mauer eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten, die Stadtentwicklung nicht nur für die beiden Stadtteile zusammenzuführen sondern im Ostteil Berlins vieles auf den Weg zu bringen.

Bevor wir überhaupt als Abgeordnete gewählt waren, begannen die Gespräche über den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, die Sanierung der Ver- und Entsorgungssysteme der Leitungsträger, die Sanierung des jämmerlich aussehenden Altbaubestandes von Wohnungen (100.000 WE waren nicht mehr nutzbar) und vieles andere mehr. Mit den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung für den Ostteil der Stadt am 6. Mai 1990 und der Bildung eines demokratisch gewählten Magistrats wurden die entscheidenden Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen geschaffen. Ich wurde nach der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, die am 30. Mai 1990 in der Nicolaikirche stattfand, zum Vorsitzenden des Ausschusses für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr gewählt. Das war für mich ein Glücksfall. War ich doch viele Jahre vorher als Bauleiter des Autobahnbaukombinats für den Ausbau der Hauptstraßen und den dort liegenden Ver- und Entsorgungssystemen verantwortlich. Dazu kam, dass aus dem Magistrat und den Planungsbetrieben der Versorgungs- und Verkehrsbetriebe sehr viele Mitarbeiter in die neuen Strukturen übernommen wurden. Alle hatten wir nun die Möglichkeit, unser Wissen für die anstehenden neuen Aufgaben einzubringen. Mit den Wahlen am 2. Dezember 1990 kam es dann zur ersten gemeinsamen Regierungsbildung für das gesamte Land Berlin unter der Führung der CDU. Im Januar 1991 liefen die Koalitionsverhandlungen mit der SPD, die sich der Wahlsieger CDU als Koalitionspartner gewünscht hatte. Nach 4 Wochen harten Ringens gab es dann einen Koalitionsvertrag. Da ich inzwischen stellvertretender Landesvorsitzender der CDU und stellvertretender Fraktionsvorsitzender war, nahm ich an den „Großen Runden“ in der Endphase der Verhandlungen teil. Vorher gehörte ich der Gruppe Stadtentwicklung an, die Dr. Volker Hassemer, später Senator für Stadtentwicklung und Umwelt geleitet hat. Da konnten wir „Ossis“ eine Menge der Vorhaben einbringen, die wir in der Stadtverordnetenversammlung schon vorbereitet hatten.
Ein ganz besonderer Glücksfall für unseren Bezirk, damals noch Treptow, war die Weigerung der SPD, den Standort der Akademie der Wissenschaften möglichst vollständig überzuleiten. Diepgen bestand aber darauf, dass diese einmalige Chance für Berlin, den Wissenschaftsstandort zu erweitern, ergriffen werden musste. Damit erklärte die SPD, dass sie das Ressort Wissenschaft dann im Senat nicht übernehmen werde. Es war der letzte Verhandlungstag früh um 5 Uhr als wir auseinander gingen. Eberhard Diepgen sagte uns noch, dass er mit Erwin Teufel, Ministerpräsident in Stuttgart, telefonieren wird. Am Nachmittag um 16 Uhr hatten wir Landesvorstand und Prof. Dr. Manfred Erhardt wurde vorgestellt. Ich habe ihn gleich angesprochen und kurze Zeit später wusste er, was in Adlershof los ist. Der Mann war ein Glücksfall für die ehemalige Akademie der Wissenschaften.  Wir konnten nicht alles retten, da waren immerhin ca. 3.500 Wissenschaftler und Angestellte beschäftigt. Aber diese Investition hat sich gelohnt. Blühende Landschaften und heute ca. 1.000 Firmen und Institutionen und ca. 16.000 Arbeitsplätze.
Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann eigentlich nur begeistert sein. Ob Potsdamer Platz, Friedrichstraße, Osthafen und die großen Sporthallen wie Schmeling-, Radsport-, Schwimmhalle und O2-World sowie der neue Hauptbahnhof und der Umbau Bahnhof Ostkreuz, alles gewaltige Investitionen für die Zukunft. Aber noch ist viel zu tun. Wohnungsbau, weiterer Ausbau der Infrastruktur, Schulsanierung sind nur einige Beispiele.
Bauen ist Leben der Nation. Also bleiben wir alle aktiv und räumen die Hürden weg, damit unsere Stadt sich weiter positiv entwickelt.

Fritz Niedergesäß
Kreisvorsitzender 

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