August 1945: Japan im Unglück – Deutschland verschont!

Auf der kleinen Marianen-Insel Tinian, über fünf Flugstunden von Japan entfernt im Pazifik gelegen, startete am 6. August 1945 um 2 Uhr 47 Ortszeit die „Enola Gay“, eine amerikanische B-29 „Superfestung“, unter dem Kommando des dreißigjährigen Oberst Paul W. Tibbets, der als einer der besten Bomberpiloten der Air Force galt. An Bord war „Little Boy“, eine neuartige Bombe mit einem Gewicht von 4.400 Kilogramm. Sie sah aus „wie eine verlängerte blecherne Mülltonne mit Flossen“.

Gleich nach dem Start begannen die Waffentechniker die Bombe scharf zu machen. Bei Erreichen des japanischen Festlandes schaltete der Waffenoffizier die Bombensicherung aus. Um 8 Uhr 15 erschien „Enola Gay“ über Hiroshima. Dort war es Sonntag. Die Sirenen hatten vorher Alarm gegeben, aber nach wenigen Minuten schon wieder Entwarnung, da nur ein einzelnes feindliches (Wetter)Flugzeug Hiroshima in großer Höhe überflogen hatte. Es war ein warmer sonniger Morgen: die Straßen der Innenstadt voller Menschen, tausende Soldaten bei der Morgengymnastik, achttausend Schülerinnen beim Bau von Schutzanlagen gegen Brandbombenangriffe. Als erneut ein feindliches Flugzeug gesichtet wurde, suchte kaum jemand Schutz. Die Abwehr schwieg. „Little Boy“ explodierte 8 Uhr 16 in 580 Meter Höhe über dem Stadtkern mit einer Sprengkraft von 12.500 Tonnen hochexplosiven TNT (Trinitrotoluol). Der Atomblitz blendete die Flugzeugbesatzung, obwohl sie tiefdunkle Brillen trug. Der Atompilz stieg kilometerhoch. Die Stadt Hiroshima verglühte in einer ungeheuren Explosionswolke. Die Menschen schrumpften zu kleinen schwarzen Bündeln zusammen, von manchen blieben nur Umrisse, eingebrannt in Granitplatten. Vögel gingen mitten im Flug in Flammen auf. Die Atombombenhitze betrug 2944 Grad Celsius. Alles Leben, die Gebäude und die Natur waren in Sekundenschnelle ausgelöscht. Eine offizielle japanische Statistik nannte später 70.000 Tote. Bis Ende 1945 kamen nochmals 70.000 dazu. Fünf Jahre später war die Zahl der Opfer von „Little Boy“ auf 200.000 gestiegen.

Am 9. August 1945 explodierte 11 Uhr 02 „Fat Man“, die zweite amerikanische Atombombe, in 540 Meter Höhe über der Stadt Nagasaki. 36.000 Menschen fanden sofort den Tod, 70.000 waren es bis Ende 1945, fünf Jahre später stieg die Zahl auf 140.000. Und alle diese Zahlen sind nur Schätzwerte! Der japanische Kaiser Hirohito erließ am 16. August 1945 den Kapitulationsbefehl. Damit ruhten auch in Fernost die Waffen.

Wir Deutschen können froh sein, daß der verheerende Zweite Weltkrieg in Europa schon am 8. Mai 1945 zu Ende gegangen war. Andernfalls hätten die amerikanischen Militärs sicherlich nicht gezögert, ihre atomaren Todesbomben mit den bis heute spürbaren schrecklichen Folgen für Mensch, Tier und Natur auch über deutsche Städte abzuwerfen. Berlin wäre bestimmt das erste Ziel gewesen und mit seinen damals noch verbliebenen über zwei Millionen Menschen vom Erdboden vertilgt worden. Aber hatten wir hierzulande nicht schon am 13. und 14. Februar 1945 unser „deutsches Hiroshima“ in Dresden erleben müssen?

Ulrich Stahr,
Kreisvorsitzender der Senioren Union

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