Zum Tag der deutschen Einheit – Erinnerung an Präsident Boris Jelzin

In diesen Tagen wird in der Öffentlichkeit viel davon geredet, welches glückliche Schicksal unserem bis zum 3. Oktober 1990 zweigeteilten deutschen Vaterland (so überraschend) beschieden war: das seit 1949 in zwei Staaten, die unterschiedlicher nicht sein konnten, geteilte Land wurde wieder vereint! Vorausgegangen war die „friedliche Revolution von 1989“, die beeindruckenden Demonstrationen des Bürgerwillens in Leipzig, Dresden, Berlin und an vielen Orten der DDR anderswo, schließlich der „Mauerfall“ am 9. November 1989 in Berlin und der (in der Nacht vom 22. zum 23. August 1990 gefaßte) Beschluß der am 18. März 1990 neuen, demokratisch gewählten Volkskammer zum Beitritt der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Von 363 anwesenden Abgeordneten stimmten 294 mit „ja“! Wir erlebten atemberaubende Ereignisse, die den Beinamen „historische“ wirklich verdienen! 

All das war mit großem persönlichem Einsatz von Menschen verbunden, die das sich öffnende kleine „Zeitfenster der Geschichte“ nutzten, um in der Vision die Einigung Deutschlands und die europäische Union vorzubereiten. Gewiß, nicht nur das „Neue Forum“ wollte eine „neue DDR“ und weiterhin zwei deutsche Staaten, auch in Konföderation mit der Bundesrepublik. Aber die Rufe auf den Straßen, erst „Wir sind das Volk!“ und dann „Wir sind ein Volk!“, die Weitsichtigkeit und die Energie eines Helmut Kohl mit seinem „Stufenplan für Deutschland“, die Politik von „Glasnost“ und „Perestroika“ von Michail Gorbatschov, die dazu geführt hatte, daß am 9. November 1989 keine sowjetischen Panzer gerollt waren wie am 13. August 1961 sowie seine und auch der Amerikaner Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands brachten schließlich die Entwicklung ins Rollen, die zum 3. Oktober 1990 führte. Und doch hatte bald danach alles noch einmal auf des „Messers Schneide“ gestanden! 

Als am 19. August 1991 der Staatspräsident der (noch bestehenden) Sowjetunion und Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschov auf der Krim war, putschen in Moskau kommunistische Politiker und Armeegenerale! Sie setzen Gorbatschov ab, verfügten den Ausnahmezustand und wollen mit einer Militärdiktatur die Auflösung der Sowjetunion in unabhängige Republiken rückgängig machen! Das wäre – mit allen Konsequenzen – sicher gelungen, wenn es nicht einen Menschen namens Boris J e l z i n (1931-2007) gegeben hätte! Er war am 12. Juni 1991 demokratisch zum ersten Präsidenten Rußlands gewählt worden. Mutig stellte er sich in Moskau selbst auf den Panzern der Putschisten diesen entgegen. Mit seiner Autorität und rhetorischen Überzeugungskraft stoppte er den Umsturz und rettete den Staatspräsidenten Gorbatschov, der damit nach drei Tagen aus dem über ihn verfügten Hausarrest nach Moskau in sein Amt zurückkehren konnte. An Boris Jelzin und sein Zutun zum Erhalt der damaligen jungen demokratischen Entwicklung in der DDR, und darüber hinaus, möchte ich hiermit erinnern. Ohne Boris Jelzin wäre „das Rad der Geschichte“ wieder zurückgedreht worden! In Ost-Deutschland standen damals noch Tausende von sowjetischen Panzern und Hunderttausende von sowjetischen Soldaten unter Waffen. Ein Befehl – und die Kriegsbeute DDR wäre sicherlich unter sowjetischem Einfluß geblieben! Die Wiedervereinigung Deutschlands ist maßgeblich Michail Gorbatschov u n d Boris Jelzin zu verdanken!

Ulrich Stahr, SU-Kreisvorsitzender

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