Liebe Mitglieder,
der 3. Oktober 1990 war und bleibt ein ganz besonderer Tag. Es ist der Tag der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands. Ohne Krieg, durch eine friedliche Revolution. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, und zwar für das gesamte! Noch heute erinnere ich mich gut an diesen Tag. Der Einigungsvertrag, 900 Seiten stark, ausgehandelt in abenteuerlich wenigen Wochen, regelte den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz gilt seitdem für das gesamte Land. „Nur wer seine Herkunft kennt und sich zu ihr bekennt, hat den Kompass für die Zukunft“, sagte damals Helmut Kohl. Für mich ist die Wiedervereinigung untrennbar mit dem Wirken Helmut Kohls verbunden. Er ist und bleibt der Kanzler der Einheit. Die Diktatur des Proletariats wurde damit endgültig Geschichte.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich oftmals nur an das Positive in der Vergangenheit zu erinnern. Deshalb wird man auch immer wieder mit Aussagen, wie „Es ging uns doch nicht schlecht!“ konfrontiert. Wir lebten in einer Diktatur. Politisch anders Denkende wurde verfolgt, reglementiert, kriminalisiert, bekamen keinen Zugang zu erweiterter Bildung, wurden enteignet und ihrer Würde beraubt. Auch vor deren Familien machte das Regime nicht halt. Viele Menschen versuchten zu entkommen und flüchteten. Viele bezahlten dafür mit dem Leben an der deutsch-deutschen Grenze. Das dürfen und werden wir nie vergessen und auch nicht, wer daran die Schuld trug. Und auch wenn es nun über 25 Jahre her ist, ich habe noch heute Schwierigkeiten beim Umgang mit Menschen, die damals freiwillig für die Staatssicherheit der DDR gearbeitet haben, die persönliches Vorankommen vor eigene moralische Ansprüche stellten.

Ich bin sehr erleichtert, dass dieses gewaltige Projekt Wiedervereinigung gut gegangen ist. Blühende Landschaften versprach damals Helmut Kohl. Er hat Recht behalten. Aber wir müssen aufpassen. Jahrelang wurde im Osten investiert. Das war richtig und wichtig, aber auch im Westen muss Infrastruktur erhalten und ausgebaut sowie die notwendigen Mittel dazu bereit gestellt werden.

Ich bin dankbar, dass unsere Kinder in einem wiedervereinten Deutschland aufwachsen dürfen und dass sie alle Möglichkeiten haben, selbstbestimmt aus ihrem Leben etwas zu machen. Die Älteren von uns sprechen mitunter immer noch von Ost und West, für unsere Kinder gibt es diesen Unterscheid nicht mehr, Gott sei Dank.

Herzliche Grüße
Katrin Vogel, MdA 

Inhaltsverzeichnis
Nach oben