Mit diesen beiden Worten gab Günter Schabowski am 9. November 1989 den Startschuss für den Fall der Mauer in Berlin. Das Kartenhaus „Sozialismus“ von Magdeburg bis Wladiwostok und von Rostock bis Sofia begann einzustürzen. Von Anfang an war das System, das die russischen Bolschewisten unter Lenin 1917 mit der Oktoberrevolution ausgerufen hatten, eine grandiose Fehlkonstruktion. Millionen von Toten im eigenen Land bei der Durchsetzung der „Diktatur des Proletariats“. Dieses System war nach dem 2. Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone das Vorbild für die Staatsgründung der DDR. „Diktatur des Proletariats“ hieß das Blendwerk, das in Wirklichkeit mit der Übernahme der Macht durch Arbeiter und Bauern nichts zu tun hatte. 

Was haben wir uns 40 Jahre lang alles für Versprechungen von der Überlegenheit des Sozialismus anhören müssen. Schon der 17. Juni 1953 war ein deutliches Signal, das die Arbeiter der Stalinallee ausgesendet haben. Der Mauerbau 1961 war schon eine Pleiteerklärung des Systems. Die Kommunalwahlen 1989 im Mai haben dann den Topf zum Überlaufen gebracht. Die Leute wurden immer fordernder. Die Anzahl der Ausreiseanträge nahm Größenordnungen an, die den Staat erschütterten. Als die jungen Familienväter ihre Kinder in Prag und Budapest über die Botschaftszäune hoben, hatte der erste Arbeiter- und Bauernstaat endgültig seine Legitimation verspielt. Danach ging alles ganz schnell. Die Montagsdemonstrationen in Sachsen und dann auch in immer mehr Städten wurden immer stärker. Am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz habe ich beim Anblick der Plakate und der Masse der Teilnehmer zu meinen Kollegen gesagt: „das war es nun wohl“.

Dann kam der 9. November und die Pressekonferenz mit Schabowski. “Sofort - unverzüglich“ – die Mauer war noch in der gleichen Nacht gefallen. Unbeschreiblicher Jubel überall. Die wichtigsten Etappen danach waren die Rede Helmut Kohls an der Frauenkirche in Dresden, die Volkskammerwahlen am 18. März 1990 und die Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 auf dem Gebiet der DDR.

Mit dem 1. Juli kam die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Die DDR Bürger hatten jetzt die DM in der Hand. Dann endlich am 3. Oktober mit der Feier am Reichstag: „Deutschland einig Vaterland“.

Am 9. November 2015 hat die Deutsche Gesellschaft e.V. den Ehrenpreis für die Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR verliehen. Die Präsidentin der Volkskammer, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, CDU, nahm den Preis stellvertretend entgegen. Prof. Dr. Lammert und Franz Müntefering haben in ihren Grußworten diese Volkskammer als das fleißigste und erfolgreichste Parlament gewürdigt, das je in Deutschland gewählt wurde.

Der Einheitsprozess war insgesamt erfolgreich, trotz mancher Irrtümer. Eine gewaltige Aufbauarbeit in den „Neuen Bundesländern“ wurde geleistet. Das haben wir geschafft und wir werden auch die Integration der Kriegsflüchtlinge schaffen, das sind wir unserer Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel schuldig.

Ich wünsche Ihnen eine gute Adventszeit und fröhliche Weihnachten.

Fritz Niedergesäß 

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