Zu Gast im „Reich der Mitte“

Am 18. Februar strebten zu 15 Uhr an die fünfzig gestandene Damen und Herren zur am Märkischen Ufer 54 liegenden Botschaft der Volksrepublik China, um sich, vorangemeldet und erwartet, näher über dieses große, ferne Land informieren zu lassen. Die Berliner Senioren-Union hatte dazu eingeladen.

Dank guter Kontaktaufnahme und Vorarbeit von Gertraud Schickedanz, der SU-Landesvorsitzenden, und Ursula Matthes von der SU-Kreisvereinigung Charlottenburg-Wilmersdorf, klappte alles ausgezeichnet. Mit freundlichen Begrüßungsworten empfingen Frau Yao Xin und Herr Wu Nanyang die Gäste und führten sie in den, im zweiten Stock liegenden, amphitheater-großen Veranstaltungssaal mit roten weichgepolsterten Sesselreihen. Darin werden wohl auch bis 1990 die Mitglieder des FDGB („Freier deutscher Gewerkschaftsbund“ der DDR) versunken sein, wenn sie den, von der riesigen Bühne ausgehenden siegesgewissen Reden ihres Vorsitzenden Harry Tisch lauschten, der als Mitglied des Politbüros der SED den Sieg des Sozialismus verkündete. Das 1986 in recht moderner Architektur für den FDGB errichtete Gebäude war 1999 von der Volksrepublik China erworben und zur Botschaft umgestaltet worden. Das und vieles mehr erfuhren die aufmerksam lauschenden Besucher von Herrn Wu, der schon in seinem Heimatland an der Universität Deutsch gelernt hatte.

Informativ sprach er von Chinas Stellung in der gegenwärtigen Welt und besonders von den „Prioritäten und dem Aktionsrahmen der strategischen Partnerschaft mit Europa“. Er hob das Jahr 2015 als in dieser Hinsicht bedeutend hervor und dabei besonders den im vergangenen Oktober erfolgten, nun schon achten Besuch unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel im „Reich der Mitte“. Er äußerte die Hoffnung, daß Bundespräsident Joachim Gauck auch bald nach China komme.

Hinsichtlich des Beginns des Jahres 2016 ließ Herr Wu die „Turbulenzen“ und „Unberechenbarkeiten“ der gegenwärtigen Entwicklung auch für China nicht unerwähnt. Er verwies aber trotz „der notwendigen Strukturanpassungen“ auf die bei ihnen mit 6,9 % Anstieg verlaufende und deshalb in der dortigen Hemisphäre immer noch einmalige Wirtschaftsentwicklung, die 2016 „im Jahr des Affen“ durch dessen „Klugheit, Flexibilität und Kreativität“ auch „für Europa weiterhin vorteilhaft sein wird“. Zum Schluss warb Herr Wu noch sehr für einen Besuch seines Landes, da „persönliche Eindrücke vor Ort besser als Medienberichte sind“. Dann vermittelte ein rasant geschnittener Film (in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln) schöne Eindrücke von Chinas kultureller Vergangenheit, die gut gepflegt wird. Besonders bestaunt werden konnten: die fußballfeldgroße, überdachte, 2000 Jahre alte Terrakotta-Armee, die zufällig 1974 von Bauern entdeckt worden war, sowie deren heutige Restaurierung; die 1300 Jahre alte malerische und immer noch lebendige Stadt Feng Huan; die große Verehrung Buddhas in Form von kleinsten bis riesigen Statuen in und vor beeindruckenden Gebirgsmassiven. Die Zeit reichte leider nicht, um weitere Darstellungen z. B. vom gesellschaftlichen Leben in China gezeigt zu bekommen. Nach einem kurzen Abstieg zum Kennenlernen des unteren Bereichs der Botschaft ging es wieder „hinauf“ zu einem schmackhaften Imbiss u. a. mit warmen Frühlingsröllchen, Teigtaschen mit Garnelen, dazu Kuchen und Fruchtsäften. Herr Wu und Frau Yao beantworteten dabei geduldig manche Fragen. Zu schnell vergingen knappe neunzig Minuten. Die chinesische Botschaft ist einen nochmaligen Besuch wert!    

Ulrich Stahr,
SU-Kreisvorsitzender Treptow-Köpenick

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