Die Großmacht Großbritannien ist dabei, sich aus der Europäischen Union zu verabschieden. Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft als Vorläufer der Europäischen Union in den fünfziger Jahren gegründet wurde, war Großbritannien mit der wichtigste Partner dieser für Europa historischen Entwicklung. Die Siegermacht des 2. Weltkriegs galt den Europäern als Mutterland der Demokratie. Schon in den beiden letzten Jahrzehnten hat sich das Inselreich mehr als schwieriger Partner im Zuge des europäischen Einigungsprozesses denn als ein progressiver Gestalter generiert. Wie soll denn eine Union von 28 Staaten auf Dauer erfolgreich sein, wenn die Sonderwünsche einzelner Staaten dauernd zunehmen. Es ist doch wohl ohnehin schon schwierig genug, nach den Zerwürfnissen der letzten Jahrhunderte die mit dem 1. Und dem 2. Weltkrieg ihren Tiefpunkt erreicht hatten, diese großartige Friedensidee umzusetzen.

Da kann man sich streiten, ob alles von der EU mit dem richtigen Augenmaß umgesetzt wurde. Viele Probleme die ständig auf die EU abgeschoben werden, sind meines Erachtens ohnehin nationale Angelegenheiten. Die EU ist auch nicht schuld daran, dass manche Länder ständig mehr Geld ausgeben als sie selbst erwirtschaften können. Solidarität unter den Mitgliedstaaten gibt es auch mehr, als von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die starken Länder zahlen mehr in den Europafond ein als sie daraus wiederbekommen. Das ist auch in Ordnung. Es ist jämmerlich, wenn die Briten jetzt eine Rechnung aufmachen, dass sie beim Austritt mehr Finanzmittel für ihre Zwecke zur Verfügung haben. Die werden sich noch wundern. Schon die Entwicklung der letzten Tage an den Börsen sind ein Alarmzeichen.
Was ich ohnehin nicht verstehe, ist das ganze Verfahren der Volksabstimmung. In Wirklichkeit haben nicht 52 % der Briten für den Ausstieg aus der EU gestimmt, bei 72 % Wahlbeteiligung kommt man auf ca. 35 % der wahlberechtigten Briten. Die Gesetze und Statuten der EU scheinen mir für so ein großartiges Unternehmen sehr locker aufgestellt zu sein.
Es bleibt die Hoffnung, dass unsere Bundeskanzlerin gemeinsam mit den Spitzen der EU einen intelligenten Weg findet, aus dieser Niederlage eine stabile Europäische Union zu formen. Ob mit oder ohne die Briten wird sich noch zeigen.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Sommer.
Fritz Niedergesäß    

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