Offener Brief an Frau Bezirksverordnete Jenna Behrends

Teil I

Sehr geehrte Frau Behrends,
am 24. September 2016 lasen wir in der „Berliner Morgenpost“ auf Seite 10 in Groß- und Fettdruck: „Liebe Partei, wir müssen reden“ und dann Ihren langen Offenen „Brief an die Partei“. Im Vorspann hatte die Morgenpostredaktion vorsorglich darauf hingewiesen, daß es sich um keinen Brief an „Die Partei“ handelt, die es in Berlin als Spaßpartei gibt, sondern um die Berliner CDU.

In Ihrem Brief kommen allerdings die drei Buchstaben CDU nicht vor. Sollte sich die Morgenpost geirrt haben? Dann lesen wir in der vierten Spalte das Wort Union. Ha, denken da wir Köpenicker: Eisern Union! Aber nein! Denn gleich hinter Union steht Angela Merkel geschrieben. Die spielt doch gar nicht in der Alten Försterei. Da wird uns klar, daß Sie die Europäische Union meinen könnten, für die sich unsere Kanzlerin so bewundernswert einsetzt. Dann irritieren Sie uns weiter, denn Sie schreiben anschließend: „…laßt uns Parteimitglied und Politikerinnen werden…“ Was soll das heißen? Angela Merkel und die anderen von Ihnen zitierten Damen sind doch beides schon! Warum, sehr geehrte Frau Behrends, sollen die das dann noch werden? Und wenn wir der eingangs zitierten Morgenpost-Überschrift Glauben schenken dürfen, sind Sie doch auch „gerade in die BVV Mitte gewählte CDU-Politikerin!“ Wir denken nach! Da „fällt der Groschen“. Jetzt sehen wir klar! Mit der Anrede „Liebe Partei, wir müssen reden“, meinen Sie wirklich die CDU, unsere Partei, und Sie werfen deren Männern Sexismus vor! Das ist hart. Das trifft mich ja auch. Meine Frau, auch schon lange CDU-Mitglied, schaute mich ganz erstaunt an, als ich ihr die Überschrift auf der Morgenpostseite vorlas! Ich bin männlich und seit nunmehr 30 Jahren in der CDU, in der in Ihren Augen so kritikwürdigen Partei. Sehr geehrte Frau Behrends, für mich lasse ich Ihren Vorwurf nicht gelten! Durch meine Mutter, meine Frau und meine beiden Töchter, aber auch durch meine eigene Lebensauffassung stark geprägt, bin ich bisher immer frauenfreundlich durchs Leben gegangen, nicht „sexistisch“. Ich habe die Absicht das auch weiterhin zu tun. Hand aufs Herz! Allerdings haben meine Frau und ich eine ganz andere Auffassung von „Sexismus“ gegenüber Frauen als Sie. Wenn ein gestandener Mann eine unserer Töchter im Kleinkind- oder Backfisch-Alter (Kennen Sie den Ausdruck?) mit „kleine süße Maus“ angeredet hätte und dann die danebenstehende Mutter in gleicher Form, nur mit dem geänderten Adjektiv „große“, dann wäre das für uns nicht „sexistisch“, sondern eine nette, gutgemeinte Geste, ja ein Kompliment gewesen, um die Mutter mit der Tochter „gleichzusetzen“. Und noch eines: Sie werden uns vielleicht für altmodisch halten, aber für uns gehört das heute leider so ungeniert gebraucht F-Wort nicht in die Öffentlichkeit. Wenn jemand so über uns spräche und „es käme uns zu Ohren“, dann würden wir uns das sofort bei Urheber und Zuträger verbitten, direkt von Frau zu Mann oder umgekehrt, aber nicht über die Medien! Sie, sehr geehrte Frau Behrends, hielten es für richtig, in den seriösen wie Boulevard-Blätter zu erscheinen, im Fernsehen auch. Wir halten das bei einer anspruchsvollen und ambitionierten CDU-Politikerin, die Sie doch sein wollen, für falsch! Uns kam es nie in den Sinn, private oder parteipolitische Befindlichkeiten in die Medien zu bringen, die doch oft nur darauf aus sind, mit „Skandalen“ eine lüsterne Öffentlichkeit und damit ihre Auflagen zu bedienen und die gern beitragen, mit „Freude und Häme“ Persönlichkeiten zu demontieren.
Sehr geehrte Frau Behrends, hier machen wir eine Cäsur. Teil II des Offenen Briefes folgt. Aber keine Bange, insgesamt wird er weder die Länge Ihres Offenen Briefes vom 24. September in der Morgenpost erreichen, noch die Ihrer Interviews in den Printmedien oder im Fernsehen.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Stahr, Vorstandsmitglied der Frauen-Union Treptow-Köpenick
Ulrich Stahr, Kreisvorsitzender der Senioren-Union Treptow-Köpenick

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