Schnittchen und Bier als Entschuldigung

Vattenfall bewirtet Anwohner / Ursache für Explosion an Strommast weiter unklar

JOHANNISTHAL. Das schlechte Gewissen war deutlich zu spüren: Die Anwohner der Einfamilienhaussiedlung rund um den Eisenhutweg in Johannisthal haben am Mittwochabend nicht nur Schnittchen gratis serviert bekommen, sondern auch Wein, Bier, Schnaps und Saft. Spender des Mahls war der Energieversorger Vattenfall, der zu einer Einwohnerversammlung geladen hatte. Der Grund: Die Anwohner sind die Leidtragenden zweier Explosionen, die sich Anfang des Jahres an einem Strommast in ihrer Siedlung ereignet haben. In 15 Metern Höhe waren damals jeweils drei Meter hohe Keramik-Isolatoren explodiert, die Splitter waren bis zu 70 Meter weit geflogen. Ein drei Kilo schweres Stück durchschlug eine Laubenwand, in einem Einfamilienhaus flog eine Scherbe in den Erker. Über die Grundstücke ergossen sich außerdem 80 Liter Silikon-Öl. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, allerdings wurden 23 Grundstücke beschädigt. Nun sollte den Anwohnern erklärt werden, was die Explosionen am 1. Januar und 1. Februar ausgelöst hatte und wie es weiter geht.

Die Firma Vattenfall Europe Transmission, die für die Energieübertragung in Berliner Stromnetz zuständig ist, hat zwei Gutachter mit den Ermittlungen beauftragt. "Beide haben um eine Fristverlängerung bis Ende März gebeten", erklärte Frank Gollitz, zuständig für Anlagen und Bauprojekte bei Vattenfall, den etwa 50 Anwohnern. Und so lange die Ursache nicht geklärt sei, werde der Strommast außer Betrieb bleiben. Das allerdings stelle ein sehr großes Risiko für das Unternehmen dar: Der Mast gehört zum Übertragungsnetz, das das Umspannwerk Wuhlheide versorgt - und dafür gibt es nur eine zweite Zuleitung. "Wenn wir auch dort einen Ausfall haben, kann es in Berlin zu großen Problemen mit der Stromversorgung kommen." Das Unternehmen suche deshalb nach Wegen, um den Mast schnellstmöglich wieder ans Netz nehmen zu können. "Eine Reparatur mit baugleichen Elementen schließen wir zurzeit aber aus", betonte Gollitz.

Den Anwohnern war die Skepsis deutlich anzumerken. Sie forderten mehrfach, den erst 2007 erbauten Strommast wieder abzureißen und die Stromleitung statt dessen unterirdisch zu verlegen. "Uns interessiert nicht, wie sie andere Teile der Stadt versorgen, es geht hier um unser Leben", sagte eine Anwohnerin.

Ungeklärt ist zurzeit auch, wie die Überreste des zähflüssigen Silikonöls auf den Dächern der Einfamilienhäuser beseitigt werden können. Erste Versuche mit Trockeneis haben zwar Erfolge gezeigt, allerdings wurden die Dachziegel bei dem Verfahren beschädigt.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben