Nach der Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan spitzt sich die Debatte um die Eingemeindung von Ausländern weiter zu. Die SPD-Integrationsbeauftragte Ute Vogt will jetzt Türkisch als zweite Fremdsprache einführen. Auch die doppelte Staatsbürgerschaft müsse geprüft werden.

Die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt hat sich für Türkisch als zweite Fremdsprache ausgesprochen. "Warum wird die Zweisprachigkeit mit Englisch und Französisch als wichtige Qualifikation gefördert, Türkisch aber nicht?", sagte die SPD-Integrationsbeauftragte dem "Mannheimer Morgen". Wichtig sei dabei, dass der Unterricht auch deutschen Schülern offen stünde und auf Deutsch erfolge.

Vogt verwies darauf, dass Türkisch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werde. "Die türkische Wirtschaft verzeichnet Zuwächse, die Türkei wird in absehbarer Zeit ein noch wichtigerer Handelspartner sein, da können auch deutsche Schüler von Türkisch-Kenntnissen profitieren." Die doppelte Staatsbürgerschaft hält die SPD-Integrationsbeauftragte ebenfalls für einen wichtigen Baustein. Damit würden die Wurzeln anerkannt, aber auch ein Bekenntnis zum deutschen Staat und seiner Verfassung abgelegt.
Doch keine Bundestagsdebatte über Integrationspolitik

Nach der hitzigen Diskussion um die Integrationspolitik der Bundesregierung der letzten Tage, sagte der Bundestag die für die kommende Woche geplante Debatte über die Integrationspolitik ab. Aus Koalitionskreisen verlautete, die Debatte werde erst nach den Landtagswahlen in Hamburg stattfinden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, hatte am Mittwoch erklärt, die beiden Koalitionsfraktionen hätten eine Bundestagsdebatte für Freitag kommender Woche vereinbart. Es sei an der Zeit, einige Dinge klarzustellen, so Oppermann mit Blick auf die öffentliche Debatte über das Verhältnis von Deutschen und Türken und den Wahlkampf des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU).

Die Grünen im Bundestag kritisierten die Verschiebung der Debatte als weiteren "peinlichen Höhepunkt" beim Umgang mit dem Thema Integration. Der migrationspolitische Sprecher Josef Winkler griff insbesondere die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), an. Sie verteidige die Interessen der Zuwanderer nicht, sondern betätige sich vielmehr als Anklägerin und Richterin über die Migranten in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben