Maueropfer nicht vergessen – Erinnerung an Lutz Schmidt wach halten!

Die CDU-Fraktion in der BVV Treptow-Köpenick möchte angesichts des 20. Todestages die Erinnerung an Lutz Schmidt wach halten.
Der 24-jährige Familienvater wurde am 12. Februar 1987 beim Fluchtversuch im Bereich der Siedlung Rehpfuhl in Altglienicke erschossen, als er zusammen mit seinem Freund Peter Schulze in den Westteil der Stadt gelangen wollte.
Im Norden Treptows gibt es verschiedene Gedenkstätten, so für die beiden an der Grenze erschossenen Kinder Jörg Hartmann und Lothar Schleusener, aber auch für Chris Gueffroy. Zwischen Altglienicke und Rudow entsteht derzeit im Zusammenhang mit dem Autobahnbau ein Landschaftspark, doch nichts erinnert mehr an die Menschen, die auch hier bei Fluchtversuchen ums Leben kamen. Auch in dem geplanten Gedenkkonzept ist an dieser Stelle bisher nichts vorgesehen.
Das ist eindeutig zu wenig, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Altglienicker Bezirksverordnete Joachim Schmidt.
Zum 20. Todestag kamen einzelne CDU-Vertreter an der Stelle des Todesdramas kurz zusammen, um dem Maueropfer Lutz Schmidt zu gedenken.
Auf der nachfolgenden Fraktionssitzung am 12. Februar beschloss die CDU-Fraktion einen Antrag in die nächste BVV-Sitzung einzubringen, hier endlich eine Gedenktafel anzubringen.

Der Antragstext:

Betr.: Erinnerung an Maueropfer Lutz Schmidt
Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick von Berlin möge beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht, sich dafür einzusetzen, dass im Bereich der Siedlung Rehpfuhl (Altglienicke) eine Gedenktafel in Erinnerung an das Maueropfer
Lutz Schmidt (*08.07.1962, +12.02.1987)
geschaffen wird, der dort vor genau 20 Jahren in Höhe der Straße 174 beim Fluchtversuch erschossen wurde.

Erläuterung:
Lutz Schmidt war 24 Jahre alt und verheiratet. Zusammen mit Peter Schulze wollte er am 12. Februar 1987 nach West-Berlin flüchten. Kurz zuvor war ihm eine Besuchsreise in den Westen zum Geburtstag einer Verwandten ohne jegliche Begründung abgelehnt worden. Möglicherweise befürchtete er, dass man ihm auch die ersehnte Gewerbegenehmigung für einen privaten Kfz-Pflegedienst verwehren würde. Lutz Schmidt und Peter Schulze fuhren am Abend des 12. Februar 1987 aus Richtung Schönefeld zur Grenze am südlichen Berliner Stadtrand zwischen Treptow und Neukölln.
Die beiden Männer fuhren mit hoher Geschwindigkeit und fielen gegen 21.30 Uhr einer entgegenkommenden Funkstreife der Volkspolizei auf, die wegen der schlechten Wetterverhältnisse
mit ihrem Funkstreifenwagen zur Hinterlandsicherung eingesetzt war. Die Volkspolizisten hielten das
Fluchtfahrzeug zuerst für einen LKW der Grenztruppen. Wegen der schlechten Sicht wäre es beinahe zu
einem frontalen Zusammenstoß von LKW und Streifenwagen gekommen. Durch das Ausweichmanöver kam der LKW von der Straße ab. Mit Vollgas wollten die Flüchtenden ihr Fahrzeug wieder auf die Straße zurückführen, aber das gelang ihnen nicht, die Räder gruben sich immer tiefer in das Erdreich ein.
Inzwischen war einer der Volkspolizisten aus dem Streifenwagen ausgestiegen, auf den LKW zugelaufen
und erkannte, dass es sich nicht um ein NVA-Fahrzeug handelte, während der im Streifenwagen verbliebene Volkspolizist die nahen Grenzposten verständigte. Zur gleichen Zeit verließen Lutz Schmidt und Peter Schulze den LKW und rannten in Richtung Mauer. Etwa eine Minute später fielen Schüsse; einer der beiden Volkspolizisten vernahm über Funk, dass die Grenztruppen soeben die Handlungsvariante „Friedhof“ ausgelöst hatten. Lutz Schmidt erlitt einen gezielten Herzdurchschuss. Er war sofort tot. Peter Schulze gelang die Flucht über die Mauer.
Die Ehefrau von Lutz Schmidt wurde von der Staatssicherheit verpflichtet, die wahren Todesumstände ihres Mannes zu verschweigen und stattdessen seinen Tod als Folge eines Verkehrsunfalls auszugeben. Außerdem musste sie sich damit einverstanden erklären, dass ihr ein MfS-Mitarbeiter alle Formalitäten für die Urnenbestattung ihres Mannes aus der Hand nahm. Darüber hinaus überwachte das MfS sämtliche Angehörigen von Lutz Schmidt. Als unter der Bevölkerung im Wohnort der Schmidts und von seinen Kollegen der angebliche Verkehrsunfall immer mehr angezweifelt wurde, erzwang das MfS, dass die Witwe ihren Wohnort verlassen und in einen anderen Bezirk umziehen musste.
[Quelle: http://www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de/de/rtf/2006_Totenportraits_Gesamt(125).pd.]

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